Diese Legende führt uns zurück in die Zeiten der Kämpfe zwischen den arischen Eindringlingen und den dravidischen Ureinwohnern Indiens.

Shivas Gemahlin heißt in dieser Form noch nicht Parvati, sondern Sati (liebende Gattin).

Sati war die wunderschöne Tochter des arischen Weisen Daksha(1)(nach anderen Quellen des Hochgotts und Königs des Himalaja). Als sie sich in Shiva verliebte, betrachtete ihr Vater seinen potentiellen Schwiegersohn als nicht ebenbürtig und versuchte, die Verbindung zu verhindern. Erstens war Shiva nur dravidischer Abkunft, zweitens war er ein halbnackter, mit Leichenasche beschmierter Asket, der als Haarfestiger Kuhmist benutzte. Also nicht der geeignete Schwiegersohn für einen König. Und was das Schlimmste war, er hatte nicht einmal wirkliches Interesse an seiner Tochter. Sati mußte alle Künste anwenden, um Shiva, diesen Herrn der Yogis, zu verführen.
Als Daksha schließlich die Ehe zwischen den beiden nicht mehr verhindern konnte, wollte er seinen ungeliebten Schwiegersohn wenigsten demütigen.
Er richtete also ein Opferfest aus, zu dem alle arischen Götter von nah und fern eingeladen waren. Der einzige Gott, der nicht eingeladen wurde, war der dravidische Shiva.
Der Höhepunkt des Festes war das Entzünden des gewaltigen Opferfeuers. Sati nützte die Gelegenheit um die Ehre ihres nicht eingeladenen Mannes zu verteidigen und als sie nicht angehört wurde stürzte sie sich in die Flammen und verbrannte. Shiva erfuhr davon und wurde er sehr zornig. Er rückte sofort mit seiner Armee von Ganas(dravidische Halb- und Fruchtbarkeitsgötter)heran und griff die versammelten arischen Götter an. In dem heftigen Kampf der entbrannte vernichtete er das Opfer, schlug Daksha den Kopf ab und vertrieb die übrige Versammlung.
Dann wandte er sich den Resten des Opferfeuers zu und erweckte Sati aus ihrer Asche zu neuem Leben als Parvati. Kaum war sie wieder auferstanden, bat sie auch schon um das Leben ihres Vaters. Shiva ließ sich erweichen und machte auch ihn wieder lebendig. Um ihn jedoch dafür zu bestrafen, daß er ihn als Schwiegersohn nicht akzeptiert hatte, gab er ihm nicht seinen alten Kopf mit dem langen weißen Bart und der Königskrone zurück, sondern verpaßte ihm den Kopf eines Schafbocks, mit dem er seitdem dargestellt wird.
Nach einer anderen Tradition war Sati nicht vollständig verbannt. Shiva nahm ihren Leichnam auf den Arm und trug ihn wehklagend über die Welt. Vishnu sah dies und um Shiva weiteres Leid durch den Anblick seiner toten Geliebten zu ersparen, nahm er seinen Diskus und zerteilte die Leiche in kleine Stücke, die er in der Welt zerstreute. Überall, wo eines der Teile zu Boden fiel, entstand später ein Tempel zu Ehren Parvatis.


  1. Daksha, Sohn Brahmas, aus seinem rechten Finger hervorgegeangen, er erschuf die Götter(mit Ausnahme der großen Drei), Dämonen und viele Tiere(z.B. Kuh), erfand die geschlechtliche Vermehrung und zeugte 60 Töchter(die jüngste davon Uma=Parvati=Sati). Später, mit Schafskopf, kann er nur noch zur Verehrung Shivas meckern, was beim rituellen Rauchen des Yilloms durch die Anrufung "Bhom, Bhom" in Erinnerung gerufen wird.