Start Vishnu / Lakshmi Bhriga und die Götter



Vor langer Zeit war der Weise Brigha(1) im Zweifel, welchen Gott er verehren sollte. Brahma den alten Schöpfer- und Weisheitsgott, Shiva den großen Tänzer und Gott des Phallus oder Vishnu den Sonnen- und Vegetationsgott. Um zu einer Entscheidung zu kommen, flog er in den Himmel, wo sich die Paläste der drei Gottheiten befanden. Zuerst begab er sich zum Palast Brahmas. Er klopfte, doch niemand öffnete ihm. Er hörte jedoch im Innern ein leises Stimmengemurmel, faßte sich ein Herz und betrat den Palast. Brahma saß inmitten von vornehmen, hochgebildeten Brahmanen und Philosphen. Sie waren in ein Gespräch über die Urgründe des Atman und des Seins vertieft und beachteten den Gast nicht weiter. Von diesem Gespräch verstand der einfache Sadhu nur Bahnhof und nachdem er eine Zeitlang zugehört hatte und niemand sich um ihn kümmerte, verließ er enttäuscht den Palast, so wie er gekommen war.
Nun begab er sich zum Palast Shivas. Auch hier öffnete ihm niemand, doch auch hier hörte er Geräusche, diesmal ein leiser und lauter werdendes Stöhnen. Wie bereits beim Palast Brahmas trat er unaufgefordert ein. Mitten im Raum lagen Shiva und Parvati beim Sex.
Er wurde zunächst nicht bemerkt, da die beiden dabei waren, die höchsten Höhen des Orgasmus zu erklimmen, doch als Shiva ihn endlich bemerkte, warf er ihn hochkantig wieder hinaus.
Nun war der Sadhu wirklich frustriert, begab sich aber trotzdem weiter zum Palast Vishnus. Auch hier öffnete niemand. Auch hier hörte er Geräusche, diesmal ein unregelmäßiges Sägegeräusch, das er sich nicht erklären konnte. Er nahm all seinen Mut zusammen und betrat auch diesen Palast. Doch was sah er da? Vishnu lag alleine mitten auf dem Boden und schlief. Seine Schnarchgeräusche erfüllten den ganzen Raum. Er war ensetzt. Der eine Gott redete die ganze Zeit unverständliches Zeug, der andere beschäftigte sich nur mit Sex, und der dritte schlief. Nun wurde er richtig wütend. Er näherte sich Vishnu und versetze ihm mit aller Kraft einen Tritt. Davon erwachte dieser, sah den Sadhu vor sich stehen und entschuldigte sich sofort. Wie konnte er nur schlafen wenn ein Besucher von soweit her gekommen war, um ihn zu sprechen. Er erkundigte sich nach dem Fuß des Sadhu, ob er sich bei dem Tritt verletzt habe. Er ließ Obst, vegetarische Speisen und Getränke bringen und wusch persönlich die Füße seines Gastes, um sie hernach mit Sandelcreme einzureiben. Er tat alles und noch mehr, was ein guter Gastgeber seinem höchstgeehrten Gast an Gutem tun kann, las ihm jeden Wunsch von den Augen ab und ließ keinen Blick von ihm, bis der Sadhu wieder zur Erde zurückkehrte. Zum Abschied sprach der Sadhu:
"Weil Brahma sich nicht um einfache Leute kümmert sondern nur um gebildete Brahmanen, soll er in Zukunft nur noch von Brahmanen verehrt werden. Weil Shiva nur Sex im Kopf hat, soll er in Zukunft unter dem Zeichen des Phallus verehrt werden. Aber du, Vishnu, weil du mich voll Liebe aufgenommen hast, will ich dich voll Liebe verehren, und so sollen es alle Menschen tun.


  1. Sohn des indischen Noah (Manu (siehe "Fischavatar")).
    Bhrigas Sohn Sukra wird später Guru der Asuras und als solcher in einem Kampf von Shiva verschluckt. In Shivas Innerem erkennt er den ganzen Kosmos und wird sein Verehrer bis er von ihm wieder durch seinen Penis entlassen wurde(Sukra= Samen). Dieses Erlebnis hielt ihn aber nicht davon ab, weiter der Dämonenguru zu sein und die übrigen Götter zu bekämpfen.